"Chronic remorse, as all the moralists are agreed, is a most undesirable sentiment. If you have behaved badly, repent, make what amends you can and address yourself to the task of behaving better next time. On no account brood over your wrongdoing. Rolling in the muck is not the best way of getting clean.

Art also has its morality, and many of the rules of this morality are the same as, or at least analogous to, the rules of ordinary ethics. Remorse, for example, is as undesirable in relation to our bad art as it is in relation to our bad behaviour. The badness should be hunted out, acknowledged and, if possible, avoided in the future. To pore over the literary shortcomings of twenty years ago, to attempt to patch a faulty work into the perfection it missed at its first execution, to spend one's middle age in trying to mend the artistic sins committed and bequeathed by that different person who was oneself in youth - all this is surely vain and futile."

Aldous Huxley, Foreword to Brave New World (1946)

"Chronische Zerknirschung ist, da sind sich alle Sittenlehrer einig, ein ausgesprochen wenig erstrebenswertes Gefühl. Hat man sich schlecht verhalten, sollte man bereuen, wieder in Ordnung bringen, was man in Ordnung bringen kann, und sich dann der Aufgabe zu wenden, es das nächste Mal besser zu machen. Keinesfalls sollte man über sein Fehlverhalten brüten - sich im Dreck zu wälzen ist nicht der beste Weg, um sauber zu werden.

Auch die Kunst hat ihre Ethik, und viele Regeln dieser Ethik sind dieselben, oder zumindest analog denen gewöhnlicher Ethik. Zerknirschung, zum Beispiel, ist genauso wenig erstrebenswert im Zusammenhang mit unserer schlechten Kunst, wie sie es im Zusammenhang mit unserem schlechten Verhalten ist. Das Schlechte gehört aufgespürt, eingestanden, und, soweit möglich, in Zukunft vermieden. Den literarischen Unzulänglichkeiten von vor zwanzig Jahren hinterher zu grübeln, zu versuchen, eine fehlerhafte Arbeit zu der Perfektion zurecht zu flicken, die sie im ersten Anlauf nicht schaffte, seine besten Jahre damit zu verbringen, die künstlerischen Sünden wieder gut zu machen verübt und hinterlassen von jener anderen Person, die man selbst in seiner Jugend war - all das ist vollkommen vergeblich und überflüssig."

Aldous Huxley, Vorwort zu Schöne neue Welt (1946)