VOLKSSPORT

      

       — einspielen\vorspiel:

 

atmen, durch fäuste,

die halten ein gesicht,

 

das sich kaum mehr

schminken, nicht mehr sehen

 

kann, die spiegel blind

im aufprall der tage, leben

 

die teufel im nacken mit einem grinsen

wie glühende kohle, schlagen sie herzen, flatternde

 

gefäßenden dran gegen wände an denen

einige buntblutige streifen von regeln

 

zeugen, die wir nie lernten, (keine sorge,

ich habe einen freund, der hat einen guten draht zum gericht

 

der mediziner, er denkt nicht

daß bisher die falschen getroffen wurden, doch

 

kann sich das ändern, alle sind wir gelegentlich müde, da wo

es schmerzt: beim erwachen) das zurückprallen der fliehenden

 

körper, das mühen für den richtigen stand

zum feind, das mühen um die bahn

 

des folgenden angriffs, es ist doch ein spiel wie ein turm

der nicht endet, nur die augen, die augen aufhalten,

 

aufhalten. wir richten uns ein zwischen den schlägen

 

 

AUFSCHLAGEN

 

mit diesen wörtern raus und durch

eine stadt wie durch für filme gebaute

schottische friedhöfe, in einer gruft ein drehbuch das

 

dreht sich so schnell bis ich schwindle und dir

danken will, für den frühling, den wie beinahe fanden, und ich meinte,

zu wachsen an stellen wo ich nichtmal wußte, dass es mich gab,

 

aber jedes wachsen macht anders und plötzlich,

an diesem grauen telefonat, gingst du,

vorbei, lächelnd, wie damals am fluß, weil du dachtest, ich

 

würde auch an der nächsten biegung noch warten, das

war ein irrtum gewesen, wie so

viele zuvor, als man noch glaubte

 

die uhren zeigen die zeit an, und

die erde sei rund, aber sie dachte nicht dran.

 

 

Wir haben jetzt längst das stadion betreten, verhaltener

applaus, man kauft und verkauft, geplatztes

korn, aus den ernten der jahre zuvor, als der boden noch trug, heute

 

schweben wir vielzuoft falsch und der wind der wörter

und das lärmen der straße läßt zappeln, manche hängen,

an den signalanlagen, die blinken bunt in fremdem code, ich

 

habe es niemals gelernt diese zeichen zu geben,

hunde leben in toreinfahrten und finden dort keine

karawanen, das macht sie nervös, zu rudeln

 

sammeln sie sich, streunen, fressen silbern

verpacktes gekröse, keine astern schwimmen im sud.

 

 

Inzwischen habe sich die ränge gefüllt mit beinlosen

gestalten, die sitzen als seien sie dort gewachsen, pilz

auf der bestuhlung dieser welt, einige knien

 

in bänken und halten sowas wie köpfe gesenkt,

doch innendrin sammeln sie steine,

dann fällt ein wort wie ein schuß.

 

Aber es ist zunächst nur ein knall, der göttlich

gradaus in den himmel entschwindet, diese wege

sind jetzt wieder einfach, der knall eines

 

korkens, eines korkens, der korken, losgedreht von etwas

mit dem wir vor jahrhunderten operiert hätten, oder foltern, jetzt

liegt er da, seine form die ladung einer waffe, keiner kleinen,

 

und ich tauche, das rot auf der zunge, die zähne so

bleich, beißen, in den lehm französischer böden,

in den moder alter reben, in

 

den schweiß der lese, in knochen

der eines morgens hinter diesem hof

erschossenen 30 alten und kinder,

 

die schule im dorf war schon früher gesprengt,

ich sehe die blitze, wie ich das glas in die flutlichter hebe,

die menge röhrt dabei wie ein fieberndes tier.

 

 

Dazwischen, genauso längst durch den boden gesickert,

von wurzeln übersetzt, durch enge kanäle, und dann, mit macht, in

die helleren teile der welt, in die trauben gedrückt, der brief

 

eines gefallenen deutschen, das koppelschloß hängt

beim winzer an einem alten faß, er zeigt es heute touristen

[...]

danach wurde ich kleiner und

klein verschwand ich lang

 

zwischen den bäumen, übte

 

klettern und kriechen, kaute

wurzeln und pilze,

 

und mich.

 

 

Wenn wir uns dann aus den wäldern schieben,

 

kommen schon bald die ersten

zäune, drahtspitzen mit haarbüscheln teilweise

verdeckt, und manchmal, meine ich, auch mit haut,

 

werden die pflanzen geduckter, die bäume, einzeln oder

zu zweit an den ecken der felder und wiesen stehend

knüppliger, alleine sehen wir immer seltsam aus,

 

die bank am weg morsch, hier scheint es,

hat schon lange niemand geruht, man darf sich nur nicht

erwischen lassen, einige geknickte halme sehe ich dann,

versteckt, ein paar krumen brot, und einen einzigen fuß

 

abdruck, der zeigt in richtung zum bach, und wäre es winter, nicht dieser

kreidige sommer, ich könnten die wärme noch spüren auf den brettern,

sähe einen milden krater im dünnen tuch schnee auf den holz, doch

 

dann sollte man schlafen, gekauert, gerollt und das futter im herzen

für die zeit von der wir nicht wissen wie lang, und ein schwerer ast

nebenbei, und hoffen, auch im schlaf, hoffen, daß keine

fabrik auf den ausgang gebaut wird im wehen von frost und von zeit,(...)

 

vorbei, an teichen wie schläge im boden, die fische

müde darin ohne sicht, sie werden mich hören, wie ich dort stehe,

und warten, die alten kennen den riß im gaumen und dann das gefühl für

 

zu leicht befunden zu sein, sie hören das knirschen der

tritte, das reiben der steine am grund, immer kleiner werden die

dabei und sie wünschen sich einmal noch strömung und laich,

 

in der zeit schon bin ich

auf dem dorfplatz in hitze und staub werde beäugt,

aus den schatten der häuser, wie hügel bodenbewohnender tiere

wuchsen sie auf dem weg hierher, unsere blicke treffen sich

 

genau in der mitte, da steht der baum des gerichts

und davor im boden ein stein, blankgewetzt von den ledern

der jahre, der füße, der schuhe, der büttel, dort verlas

man einst botschaften, in queriger, tapsiger sprache, und manchmal schlugen

die glocken wie herbst, dann dachte jemand die welt wird jetzt wieder neu.

 

müde und langsam das gasthaus, wieso oft neben der kirche,

und ich hoffe, kurz, auf nähe und heim, wie wir

 

uns damals um feuer versammeln, im dunkel vor höhlen und löchern,

als die katzen noch schreien, die großen, und warm

wird es durch die nähe der alten, durch die worte der frauen, der kinder

 

atem bläßt lachend die glut, nur wenn der letzte

scheit kohlt kommt wieder die angst,

mit schlaf haben wir immer versucht, sie zu tilgen

 

draußen stehen die männer zu zweit oder mehr

und warten auf tag, der läßt sie oft warten, und

manchmal ist er schlimmer als nacht,

 

dann kommen andere und sie schreien und schlagen,

selten bringen sie obst und erzählen von

dort wo es hütten gibt, herren und schmiede

 

die fügten zusammen was niemals zusammen gewesen war,

und einiges das niemals hätte gefügt werden dürfen

die bewegung der schmerz, die wunden der waffen, der bilder,

 

immer sind einige von uns ganz still

und andere laut und beide denken, wenn wir nur

schrien, schrien, schrien, genug,

 

dann würde ein heilen, ein helfen diese welt wieder

besuchen, doch bis heute schreit wir uns heiser, um

den griff, an den schaft, um

 

die tritte übers netz, um

den schlag aus der nähe,

wir glauben so oft

 

der letzte schlag schaffe frieden,

das ist nicht wahr.

 

Wahr ist, ich bin fremd

vor dem tresen dieser kneipe und die blicke sind schief

wie die rahmen der bilder und türen, da meint niemand es ernst erst

 

wenn sie zu vielen sind, werden sie stark, und die hände

begegnen sich erst nach dem verlust, trotzdem,

ich brauchen ein haus für die nacht.

 

Der atem jetzt schwer, die muskeln gespannt,

 

der schlaf, den ich finde, ist alt und dünn

wie die wände der stube, die ohren bleiben wach,

die hände zu wecken, die augen,

 

hier gibt es dielen die knarren und ich weiß nicht

warum, die kühle des abends, die schritte des wirts, gehen

andere gäste zubett, die töne von nebenan so zweifellos fremd, es zieht

herüber duft von gebratenem fisch, doch gibt es hier keinen frieden, kein satt

sein, endgültig, wir liegen in betten, fast wie im grab, wir hoffen

die schlösser halten alles andere draußen.

 

aus diesen nächten trage ich einen kopf

voll schatten in einen tag wie ein virus

schiebt er sich unter die lider, die liegen

auf den augen, die reste von

quallen auf körnigem sand

und das schwarzblaue meer

verschwindet zur ebbe

 

niemals können wir alle

fenster schließen, feiner reif

auf den scheiben, dieser scheinbarer

schutz, der staub aus den büchern, den wüsten,

durch unser hirn, durch die ritzen

schabt es und schleift es mich wach, langsam und

 

schwer, wie die steine ihre formen erhalten, und dann

wieder lernen, lernen, dieses lernen, den aufrechten gang,

zunächst in ein bad, das sieht aus, eine klinik und ich,

ich warte, ich rechne fest auf die obduktion meines herzens.

Im traum sah ich hände, metallen und doch

 

voller blut, mit einer greift wer und hält

hinters licht die zuschauer meinen vielleicht

die sonne geht auf, so grade im blick

auf den zuckenden leib

 

nachher wäscht eine seltsame farbe

in den abfluß, es läuft langsam,

dieses wasser, ein geliges rot, das gesicht

im spiegel geschlagen, instabil, shiftet, kein

lachen, wie ich trete,

aus der türe, kalt in vielen kostümen

auf die straße, die haut eines grauen reptils

 

was ist das dorf gewachsen, wild, die

balken der fachwerke tragen jetzt

keine dächer nur dicke seile aus hanf,

zwischen bretter wird flüssiger

stein gegossen, auch die plätze sind

glattgeschmirgelt, die menschen

gehn schneller, und immer gradaus.

 

Am morgen spielen vor den häusern die kinder, mit steinen

im staub, milde werfen sie gegen stöcke, die wachsen im boden fast

wie gepflanzt, auf dem platz in der mitte des dorfes verkauft

wer obst, auch kräuter und fleisch der gärten und felder und ställe, die

man im laufen der jahre so hegt,

 

nur satt oder einsam denkt man über seinen weiher hinaus, golden

sinkt am abend der tag, wer vergibt dieses gold schon

an die die den baum in der mitte des ortes nicht kennen,

lang schon hat diesen platz niemand mehr richtig verlassen, immer holt er sie ein

wie der wind die segel der schiffe, von denen hier keiner was weiß.

 

Keiner ahnt hier die mühe beim werfen von netzen, das hoffen

beim blick in die schwarzblaue see, wir ahnen am ufer

verkrüppelte bäume sehen uns tiere in die kämme der see;

keiner ahnt hier daß die angst in uns allen wohnt wie ein herz,

wir müssen lernen zu spielen ohne die suche nach sieg