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ietz goß einen trockenen Sherry an Klaudias Topfpflanzenwald, dann noch 2 Whiskey, einen schottischen und einen auf dessen Flaschenetikett er nicht geschaut hatte. Danach ging er ins Konzert. Die Gruppe hieß 'the various K's' und fing um halb10 an.

"23-03-89 lichtlinien: wer redet hier von stillstand, dieser raum hat einen mittenhügel, sodaß deine leute, + meine gedanken, zu den wänden rollen, jedesmal, wenn ich über den berg bin zum klo rutsche, + ins becken pisse, dreht der hang zwischen dein lachen + alles wird anders daß ich nicht lache hängt einzig daran, da alle auf dem rücken liegen wenn ich wieder komme (der freund meiner verstorbenen freundin wird übrigens bald eine witwe freien, auf deren besonderen wunsch, trotz der steuer) als die wände zu kippen begannen ging ich nach draußen nicht mal den tacho hatten sie vom fahrrad geklaut, wir leben in seltsamen zeiten nur auf der brücke war zuviel wind + die stille zuhause war flach"

Dietz fand, daß er sich selber wiederholte, schrieb das aber mit i statt ie + hatte consequently die Vorstellung von 2 ineinanderknallenden Ringelreihetänzern. Auf der Bühne waren verschiedene Topfpflanzen verteilt, welche durch die Vibrationen der von ThevariousK's verursachten Bässe beinah aus ihren Behältnissen zu hüpfen schienen, und zu stören schien es sie auch nicht.

Im Gegenteil, bald sah es aus, daß die Pflanzen bereits kurz vor dem Schlag der Musik in Bewegung gerieten und so letzendlich den Klang erzeugten. In ungefähr demselben Klang hatte Dietz letzte Stunde vergeblich an Karmens Tür gebollert, sie war da aber ließ ihn nicht rein, vermutete er. Karmen war auf ihrer Insel, goß dort eine stupide herumstehende Palme. Dann legte sie sich auf ihr Bett und sonnte sich. Dietz dachte durchs Schlüsselloch und verwünschte das säumige Februarwetter. Es war Vollmond und Enten saßen auf dem Silber im Fluß. Der Abend war blau gedunkelt und Guitarrentöne, hatten zunächst bräunlich-schimmernd, dann dumm aufgehellt wie eine durch Bierflaschen betrachtete Sonne, sein Ohr erreicht. Er träumte von Gestern. Er hatte an der Redaktionssitzung einer Zeitung teilgenommen. Das war eine längere Veranstaltung geworden, und sie hatten viele Worte gewechselt an die Dietz sich nun kaum noch erinnern konnte. Katja war gegen halb10 aufgetaucht, aber bald wieder gegangen, und der Raum war dadurch lästig leer geworden. Dietz war seinerseits, vom ganzen Gerede gebückt, nachhause geschlichen. Dort wollte er lange am Fenster sitzen und überlegen den Anfangsbuchstaben zu wechseln. Die Bedeutung dieser Buchstaben war ihm immernoch schleierhaft, doch hatte er festgestellt, wie er mit dem konsonantischen Klang bereits von Vornherein ins Stolpern gekommen war: bei der ersten Begegnung mit Katja war er in ihrem Zimmer an einen Topf mit einer Pflanze gestoßen, und beinah hinein gefallen, er sah sich noch entsetzt in die fetten lässigen Blätter starren, die so ganz den Kontrast zur kraftvoll schlagengleich durch ihr Leben duftende Besitzerin darstellten. Oder auch nicht. Bei Karin war das ähnlich gewesen: die Tür hatte er zuweit aufgestoßen, wahrscheinlich auch zu ruckartig, und er hatte die ersten Minuten ihrer Bekanntschaft damit verbracht, Torf und Blätter von einem unsympathischen Teppichboden zu entfernen. N vielleicht. Na tja, liebe, ob das gut is.